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Landespolitik und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Thüringen-Monitor 2025: Was die Menschen in Erfurt jetzt bewegt
In Erfurt rückt der Thüringen-Monitor 2025 in den Mittelpunkt einer aktuellen Landessendung. Die Ergebnisse zeichnen ein Spannungsfeld, das für die Landespolitik heikel ist: Die Demokratie als Idee findet breite Zustimmung – zugleich ist das Vertrauen in das konkrete Funktionieren politischer Praxis deutlich schwächer ausgeprägt.
Die Sendung „Bericht aus Erfurt – Landespolitik aktuell“ (Sendung vom 06.06.2026) greift den Thüringen-Monitor 2025 als Schwerpunkt auf. Damit steht ein Instrument im Fokus, das seit Jahren Stimmungen, Erwartungen und Bruchlinien in der politischen Kultur Thüringens sichtbar macht – und damit auch Hinweise liefert, wo Regierung, Landtag und Parteien Vertrauen verlieren oder zurückgewinnen können.
Studie zur politischen Kultur – Langzeitblick statt Momentaufnahme
Der Thüringen-Monitor ist als Langzeitstudie zur politischen Kultur im Freistaat angelegt. Er wird von Forschenden des Instituts für Politikwissenschaft sowie des KomRex der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Auftrag der Thüringer Staatskanzlei erstellt. Die Ausgabe 2025 ist das 25. Gutachten; der Schwerpunkt liegt auf dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Für den Monitor 2025 wurden nach Angaben der Studienseite 3.838 wahlberechtigte Thüringerinnen und Thüringer befragt; die Erhebung lief vom 2. Juni bis zum 4. Juli 2025. Diese Größenordnung ist politisch relevant, weil die Befunde damit nicht als Stimmungsbild einzelner Gruppen erscheinen, sondern als repräsentativer Querschnitt – und weil sich durch die wiederholte Durchführung über Jahre hinweg Trends von kurzfristigen Ausschlägen unterscheiden lassen.
Die bei JenaTV abrufbare Ausgabe ist als „Bericht aus Erfurt – Landespolitik aktuell“ ausgewiesen und trägt den Themenhinweis „THÜRINGEN-MONITOR 2025“. Der Beitrag ist als einzelnes Kapitel veröffentlicht („Kapitel: 1/1“). Außerdem werden im Umfeld der Seite weitere Folgen mit Datumsangaben aus Mai und April 2026 aufgeführt. Auf der Seite findet sich zudem ein Zuschauerhinweis, der ausdrücklich um Meinungen bittet („… Ihre Meinung ist uns sehr wichtig …“).
Demokratie bejaht – aber Zweifel an Wirksamkeit und politischer Praxis
In den Kernergebnissen zeigt sich die zentrale Ambivalenz: Rund 90 Prozent der Befragten äußern Zufriedenheit mit der Demokratie als Staatsidee. Gleichzeitig wird das praktische Funktionieren deutlich kritischer bewertet. Politisch ist diese Differenz mehr als eine Randnotiz. Sie deutet auf ein Muster hin, das viele Parlamente und Regierungen beschäftigt: Menschen trennen zwischen dem grundsätzlichen Bekenntnis zu demokratischen Regeln und dem Eindruck, ob Entscheidungen nachvollziehbar sind, Probleme lösen und als fair umgesetzt werden.
Auch beim Vertrauen in Institutionen fällt das Bild nicht einheitlich aus. Hohe Vertrauenswerte erreichen laut Monitor insbesondere Polizei und Gerichte. Bundes- und Landesregierung schneiden demgegenüber schwächer ab. Für die Landespolitik in Erfurt ist das ein Warnsignal, weil geringes Vertrauen in Regierungen die Akzeptanz von Kompromissen und unpopulären Maßnahmen tendenziell untergräbt – selbst dann, wenn demokratische Grundüberzeugungen stabil bleiben.
Gleichzeitig berichtet die Studie von stabilisierenden Faktoren: Etwa 90 Prozent fühlen sich Thüringen sehr oder eher stark verbunden. Viele Befragte bewerten Lebensqualität, soziale Netzwerke und Vereinsleben positiv. Gerade diese „Bindekräfte“ sind politisch bedeutsam, weil sie zeigen, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht nur über Parteien und Institutionen entsteht, sondern über Alltagserfahrungen, lokale Zugehörigkeit und tragfähige Netzwerke.
Belastungspunkte bleiben: Rechtsextreme Einstellungen und populistische Tendenzen
Neben den stabilisierenden Befunden benennt der Thüringen-Monitor 2025 Risiken, die für die demokratische Kultur dauerhaft relevant sind. Rechtsextreme Einstellungen werden mit rund 18 Prozent auf einem stabilen Niveau ausgewiesen; populistische Tendenzen sind laut Studie weiter verbreitet. Für die politische Einordnung ist entscheidend, dass solche Einstellungen nicht automatisch mit Parteipräferenzen gleichzusetzen sind – aber sie beeinflussen, wie kompromissfähig Debatten bleiben, wie stark „Wir gegen die“-Deutungen verfangen und wie anfällig Öffentlichkeit und Institutionen für Polarisierung sind.
Was die Befunde für Erfurt bedeuten
Für die Landespolitik liegt der praktische Wert des Thüringen-Monitors weniger im einzelnen Prozentwert als im Muster dahinter: Zustimmung zur Demokratie ist vorhanden, doch das Vertrauen in politische Akteure und in die Wirksamkeit politischer Prozesse bleibt begrenzt. Daraus folgt ein konkreter Auftrag an Regierung und Landtag: Entscheidungen müssen nicht nur inhaltlich tragfähig sein, sondern auch erklärbar, überprüfbar und im Ergebnis spürbar. Wo dieses Zusammenspiel fehlt, wächst die Lücke zwischen demokratischem Grundkonsens und politischer Alltagserfahrung.
Hinzu kommt: Thüringen steht politisch unter besonderer Beobachtung, weil die Frage der Abgrenzung gegenüber der AfD und der Umgang mit AfD-Anträgen den Landtag immer wieder belastet. In dieser Lage gewinnen Vertrauen und Verlässlichkeit an Gewicht – nicht als PR-Kategorie, sondern als Voraussetzung dafür, dass parlamentarische Verfahren als fair und handlungsfähig wahrgenommen werden. Der Thüringen-Monitor liefert dazu die Messpunkte, an denen sich politische Strategien prüfen lassen.
Die Sendung aus Erfurt setzt damit weniger auf ein tagesaktuelles Einzelereignis als auf eine langfristige Diagnose. Der Thüringen-Monitor 2025 beschreibt, wo gesellschaftlicher Zusammenhalt trägt – und wo Misstrauen, Unzufriedenheit mit politischer Praxis sowie demokratiefeindliche Einstellungen die politischen Spielräume in Thüringen weiterhin einengen. Entscheidend ist nun, ob und wie Regierung, Parlament und Parteien diese Befunde in konkrete, nachvollziehbare Politik übersetzen.

